Dispute Man Woman Children
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Es reicht!
Mir reicht´s!

Was ist los mit diesem Land, in dem wir „gut und gerne leben“? Was passt nicht mit den Menschen? Kaum vergeht ein Tag an welchem man sich nicht fassungslos an den Kopf fasst, betroffen ist, entsetzt ist, verzweifelt. Verzweifelt an sinnlosen Gewalttaten, an Übergriffen und dergleichen mehr. Fast ausschließlich trifft es Unschuldige, Menschen, die sich nicht wehren können, auch Kinder. So wie zuletzt den achtjährigen Jungen am Frankfurter Hauptbahnhof.

Und bei jeder Tat wird, fast schon mechanisch, zunächst nach der Hautfarbe und der Nationalität des Täters (meist sind es ja Männer) gefragt. Ist der Täter Ausländer, ist er Muslim oder hat er eine dunklere Hautfarbe fängt das Lager der rechten Hetzer und besorgten Bürger das Sabbern an. Ist es ein Deutscher, wird von eben diesem Lager gefragt, ob es nicht doch ein eingebürgerter Migrant gewesen sein könnte. Das andere Lager verweist dann darauf, dass auch Deutsche Gewalttaten begehen. Die Opfer interessieren dabei die wenigsten. Es geht um die reine Instrumentalisierung für die eigene Sache.

Doch nicht nur die Opfer werden ausgeblendet. Übersehen wird die zunehmende, allgemeine Verrohung unserer Gesellschaft.

Warum wird ein Politiker auf seiner Terrasse erschossen? Wieso häufen sich auch Übergriffe auf Menschen, die fremd aussehen? Warum werden Feuerwehrleute angefahren, die an Einsatzstellen den Verkehr regeln? Warum werden Sanitäterinnen und Sanitäter im Einsatz angegriffen, Polizeikräfte bespuckt und attackiert? Warum werden Streitigkeiten um Parkplätze mit Gewalt ausgetragen? Warum prügeln sich Menschen im Supermarkt um ein preisreduziertes Küchengerät? Warum findet kaum noch ein Fest statt ohne Schlägereien und Maßkrug-Attacken? Wo bleibt der Aufschrei der Gesellschaft?

Die Verrohung ist aber nicht allein physisch. Immer stärker verlieren wir die Fähigkeit zum Diskurs, zur inhaltlichen Debatte, zum Austausch von Argumenten, zum Akzeptieren anderer Meinungen oder einfach nur zum Zuhören. Unser Denken wird immer stärker bestimmt von einfachem Schwarz-Weiß-Denken. Shitstorms, öffentliche Drohungen bis hin zu Mordaufrufen in sozialen Netzwerken werden zum probaten Mittel der Auseinandersetzung.

Damit einher geht eine unfassbare Respektlosigkeit. Da werden Hartz-IV-Empfänger einfach als asozial abgestempelt. Da wird eine Toilettenfrau auf dem Hofer Volksfest von den Jugendlichen ausgelacht, deren Dreck sie beseitigt. In unserer Gesellschaft bist Du nur noch wer, wenn Du „Leistung“ bringst – dabei werden die Dienste an der Gesellschaft, egal, ob beim Krankenhauspersonal, bei in der Pflege Beschäftigten, bei Erzieherinnen und Lehrkräften, aber auch bei den Beschäftigten von Müllabfuhr und Stadtreinigung, allzu oft nicht als Leistung angesehen.

Wir erleben das Ergebnis einer zunehmenden Ökonomisierung der Gesellschaft. Von klein auf gilt der Leitspruch „höher, schneller, weiter“. Immer besser als die anderen. Schon die Frage, welche Schule nach der Grundschule besucht werden soll, wird zur Schicksalsfrage erhoben. Ellenbogendenken und die Suche nach dem persönlichen Vorteil werden immer bedeutender. Dahinter steht oftmals die Angst, den Anforderungen unserer Zeit nicht mehr entsprechen zu können.

Wir erleben das Ergebnis einer zunehmenden Verlagerung des öffentlichen Diskurses in die sozialen Netzwerke. In denen Menschen, gefangen in der eigenen Filterblase, in ihren abstrusesten Vorstellungen und Feindbildern bestärkt werden – und die Fähigkeit zur realen, inhaltlichen, sachlichen Auseinandersetzung verlieren.

Wir erleben das Ergebnis von Populisten, die genau diese Prozesse weiter vorantreiben wollen. Die Feindbilder bewusst befeuern und Ängste schüren. Immer mit dem Ziel, die Gesellschaft (weiter) zu spalten. Und die dabei leider erfolgreich sind.

Allzu oft gehen wir den Populisten dabei auf den Leim, allzu oft würdigen wir selbst andere herab und allzu oft akzeptieren wir die verlockenden, einfachen Antworten, ohne sie kritisch zu hinterfragen. Jeder von uns hat hier vor der eigenen Haustür zu kehren.

Alle diese Prozesse, die Banalisierung von Gewalt, die Verrohung der Gesellschaft, die zunehmende Respektlosigkeit werden – aus welchen Gründen auch immer sie ablaufen – zum gefährlichen Sprengstoff. Sie gefährden unser Gesellschaftsmodell und am Ende auch unsere Demokratie.

Darum geht es!
Es reicht!

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